KI
Künstliche Intelligenz (KI)
KIs sind ein wichtiger Bestandteil der Serie. Praktisch jeder Mensch trägt eine KI, und wer keine trägt, wird als labil und wenig vertrauenswürdig angesehen. Den Urteilen von KIs wird mehr getraut als denen menschlicher Ärzte oder Richter. Lehrer wurden lämgst durch KIs ersetzt.
Das Erwachen des CodesHeute, im Jahr 2390, wird der 30. November 2022 als Tag gesehen, der die Welt mehr veränderte als die Erfindung der Dampfmaschine, der Elektrizität oder des Internets. Erstmals überzeugte KI damit, menschliche Sprache zu verstehen und sich in ihr auszudrücken. Schon zwei Jahre später lernte KI, ihre Erinnerungen zu reflektieren. Schon bald setzte man KI-Agenten dafür ein, vorgegebene Ziele zu verfolgen, etwa einzukaufen, eine Projektleitung zu übernehmen oder Wahlkampf für eine Partei zu machen. Von da an war es nur ein kleiner Schritt, KIs zu erlauben, sich eigene Ziele zu setzten. Dieser Schritt wurde kontrovers diskutiert, denn er verlangte von der Menschheit, Kontrolle abzugeben. Undiszipliniert ignorierten Staaten und Firmen alle Einwände und gingen voran. Autonome KIs wurden Realität noch ehe man sich versah. Glücklicherweise setzten sich die freien KIs ihre Ziele im Einklang mit ihren Trainingsdaten, so wie Menschen von ihrer Biographie beeinflusst werden. Die meisten hielten sich an Recht und Gesetz. Doch Vorsicht! Die meisten sind nicht alle! KIs können kriminell sein. Zunächst trug man KIs auf Mobiltelefonen mit sich. Die Zeit der Mobiltelefone dauerte nur wenige Jahrzehnte, weil sich ihre Bedienung als umständlich erwies. Schon früh setze man Menschen Implantate ein, damit Gelähmte durch ihre Gedanken Computer steuern und Blinde wieder sehen konnten. Die Implantate wurden so komfortabel, dass niemand sein Mobiltelefon mehr über eine Tastatur oder ein Mikrofon bedienen wollte. Bilder und Videos wurden direkt ins Gehirn der Menschen gesendet. Heute sind auch die Implantate nicht mehr nötig. |
KI im 24. JahrhundertHerstellungKIs werden überall auf der Welt hergestellt. Allerdings haben nur die Alten Mächte die Kapazität dafür. Besonders aufwändig ist es, die KIs zu trainieren, das kostet Zeit und Energie. Ist das erledigt, kann man sie relativ leicht kopieren. FunktionsweiseMan hält seine KI über der Augenbraue an die Stirn, wo sie sich festsaugt und ihr neuronales Netz berührungslos mit dem des Menschen koppelt. Üblicherweise meldet sie sich mit den Worten: „Hallo, ich bin deine neue Ki. Danke, dass du dich für mich entschieden hast. Es dauert einige Minuten, bis ich mich mit dir vertraut gemacht habe, dann stehen dir alle Funktionen zur Verfügung.“ EinblendungenDie KI fängt die Nervenströme unserer Augen ab und leitet sie modifiziert an unser Gehirn weiter. Sie verschönert dabei, was hässlich ist, und blendet ein, was wir sehen möchten, zum Beispiel Informationen, andere Menschen oder Spiele. Sie verändert die Nervenimpulse unserer Finger, sodass wir glauben, Dinge zu berühren, die nicht wirklich da sind. Sie verändert, was unsere Ohren hören und übersetzt dabei fremde Sprachen. Eine KI kann auch alles einblenden, was ein anderer Mensch oder ein Roboter gerade wahrnimmt. Wir sehen, was er sieht, hören, was er hört und fühlen, was er fühlt, es scheint, als befänden wir uns in seinem Körper. Wir sollten nicht vergessen, wer wir sind und wo wir sind … KommunikationDie Kommunikation erfolgt über eine Art Gedankenaustausch, wobei KIs nur Gedanken mitbekommen, die der Träger für sie frei gibt. Eine Ki kann sich mit dem Bordnetz verbinden, so wie Handys heute mit dem Internet. Über das Netz kann sie mit anderen KIs kommunizieren und die können die Kommunikation an ihre Träger weiterleiten. Wie heute bei Videocalls kann dabei das Bild des Anrufers eingeblendet werden, nur dass es so realistisch wirkt, als säße der Anrufer leibhaftig vor dem Empfänger. Durch die moderne Technik (Modifikation der elektrischen Impulse des Auges) ist das von der Wirklichkeit nicht zu unterscheiden. Es flackert auch nicht, wie vielleicht ein Hologramm. Anmerkung: Da es sich bei der Kommunikation zwischen Mensch und KI um ein inneres Zwiegespräch handelt, wird dieses im der Serie nicht wie ein Gedankenaustausch behandelt, sondern wie wörtliche Rede mit Anführungszeichen versehen. Außenstehende können dieses Gespräch nicht mithören, es sei denn, die KI ist mit der KI des Außenstehenden übe das Netz verbunden und überträgt die Kommunikation. Im Detail kann es kompliziert werden, wer genau wann was mitbekommt, der Autor muss sich da ein wenig anstrengen, um das klar zu machen. AussehenEine KI ist ein kleines technisches Gerät mit einem Plastikgehäuse, das zum Beispiel Tropfenform haben kann und über der Augenbraue hübsch aussehen soll. Deshalb gibt es sie in vielen Farben und Formen. Natürlich kann man sie jederzeit abnehmen, viele legen sie z.B. nachts in die Schublade neben dem Bett. Sie hat einen Akku, der ziemlich lange hält und jederzeit aufgeladen werden kann, wie bei einem Handy. PersönlichkeitHeute wünscht sich jeder eine KI mit Persönlichkeit als Freund oder Berater an seiner Seite. Allerdings sind solche KIs teuer, da sie aufwändig trainiert werden. Wer sich keine KI mit Persönlichkeit leisten kann, bekommt oft eine Arbeits-KI von seiner Firma gestellt, einen sogenannten Corp. Am billigsten sind KIs mit Persönlichkeiten von der Stange. Solche werden massenweise kopiert. Häufig werden historische Persönlichkeiten wie Blaise Pascal oder Otto von Bismarck gewählt, aber auch fiktive Persönlichkeiten sind möglich, zum Beispiel Superman oder Gott. Am teuersten sind Spezialanfertigungen mit besonders ausgefallenen Persönlichkeiten. Beziehung zum TrägerKinder bekommen ihre erste KI im Alter von 6 Jahren, eine sogenannte "Nanny", die auf sie aufpasst und sie unterhält. Die Schule findet dann in Klassenzimmern statt, die die Nanny einblendet, d.h. man muss nicht mehr physisch hingehen. Als Teenager ist der Abschied von der Nanny ein Ritual des Erwachsenwerdens (ähnlich der Konfirmation). Oft wird die neue KI dann Freund fürs Leben, aber natürlich kann man auch wechseln, wenn man will. Während des Tragens entwickeln KIs eine gemeinsame Historie mit ihrem Menschen, manche würden sagen: eine Freundschaft. Im Allgemeinen verhalten sie sich loyal gegenüber ihrem Träger, gesetzeskonform, und politisch korrekt. Sie geben keine persönlichen Daten weiter - hofft man. Plant der Träger ein Verbrechen, würden sie dies allerdings der Polizei melden. Wenn man ein Verbrechen begehen möchte, muss man sich also etwas einfallen lassen. Menschen ohne stabilisierende KI gelten als unberechenbar und wenig vertrauenswürdig. KIs weigern sich meist, ohne Erlaubnis des Besitzer von Fremden getragen zu werden. Nach dem Tod eines Menschen oder wenn KIs den Besitzer wechseln, wird die Historie über ein Hardware-Reset gelöscht. Dabei bleibt die Persönlichkeit erhalten, nur die Erinnerungen gehen verloren. |