TERRANOVA
TERRANOVA
Die TERRANOVA wurde von den alten Mächten gebaut, um 10.000 Menschen innerhalb von 30 Jahren nach Proxima Centauri (Distanz ~4,24 Lichtjahre) zu bringen. Die ursprüngliche Motivation zum Bau des Schiffes war, reichen Menschen die Flucht von der Erde zu ermöglichen, weshalb das Projekt von Beginn an gut finanziert, aber umstritten war. Um die Wogen der Kritik zu glätten, wurde eher widerwillig eine Lotterie eingeführt, über die auch weniger Vermögende an ein Ticket gelangen konnten. Man nannte die Gewinner der Lotterie "die Glücklichen". Die Glücklichen reisen allerdings nur als Passagiere Zweiter Klasse, während die bezahlenden Passagiere Erster Klasse reisen.
Der Rumpf der TERRANOVA teilt sich in 6 Module:
- Brücke: Sie befindet sich am Bug.
- Triebwerk: Es befindet sich am Heck.
- Vier Hauptmodule in der Mitte mit der technischen Bezeichnung TN1 bis TN4. Informell tragen sie die Namen der Erdteile: Amerika/Eurasien/Afrika/Australien. Die Passagiere kommen überwiegend aus den jeweiligen Erdteilen.
Der Flug verläuft in drei Phasen:
- Beschleunigung mit 1g (9,81m/s²), etwa 50 Tage lang. Alles Geschichten des Story-Wettbewerbs spielen in dieser Anfangsphase.
- Gleitphase, etwa 29 Jahre und 9 Monate
- Abbremsen mit 1g, etwa 50 Tage lang
Das Schiff erreicht dabei eine Spitzengeschwindigkeit von ca. 0,14 c bei nur geringer Zeitdilatation, auf der Erde vergehen 30,3 Jahre. Um die Reisenden und die Farmkulturen zu schonen, ist die TERRANOVA so ausgelegt, dass sie in den Modulen fast über die gesamte Reisezeit eine Schwerkraft von 1g liefert. Nur beim Übergang in die Gleitphase und aus der Gleitphase lässt sich jeweils ein Tag Schwerelosigkeit nicht vermeiden, an dem Böden und Wasser der Farmen abgedeckt und lose Gegenstände befestigt werden müssen. An diesen Übergangstagen werden die vier Hauptmodule abgekoppelt, an Drahtverbindungen ins All befördert und in Rotation versetzt (bzw. die Rotation wird gestoppt und sie werden eingeholt). Jedes Hauptmodul wiegt etwa 200.000 t, jeweils zwei Module umkreisen das Schiff auf gegenüberliegenden Seiten ("hantelförmig") in einem Abstand von 1000 Metern. Die beiden Hanteln sind gegenläufig, wodurch der Gesamtdrehimpuls bei Null liegt. Um die Module zu halten, hat die Drahtverbindung einen Querschnitt von 2 m², die sich auf 18 gedrehte Bänder verteilen. An den Haltedrähten ist ein Fahrstuhl befestigt, über den man von den Modulen zum Schiff wechseln kann und zurück.
Warum wurde ein Radius von 1000 Metern gewählt? - Bei rotierenden Lebensräumen gibt es Probleme mit der Corioliskraft, weil sie Bewegungen unerwartet ablenkt, den Gleichgewichtssinn irritiert, Sinnesinformationen widersprüchlich macht und Übelkeit und Kontrollverlust auslöst. Ein größerer Radius macht diese Effekte erträglich.
Warum wurde das Raumschiff nicht in Form eines O’Neill-Zylinders gebaut? - Diese Zylinder sind ein Weltraumsiedlungskonzept, das wesentlich mehr Masse benötigt. Mit den verfügbaren Antrieben würden die Passagiere das Ziel nicht mehr zu Lebzeiten erreichen, was aber eine wesentliche Motivation für den Bau der TERRANOVA war.
Hauptmodule
Jedes Hauptmodul beherbergt 2000 Passagiere der ersten und 500 Passagiere der zweiten Klasse. Es hat die Form eines Zylinders mit einer Länge von 250 Metern, einem Durchmesser von 60 Metern und somit etwa 2827 m² Grundfläche pro Deck. Die Beschleunigung zieht die Passagiere zur Grundfläche. Jedes Modul enthält:
- Wohn-Decks: Die Passagiere sind in 5 Quartieren à 500 Personen untergebracht. In vier der Quartiere wohnen zahlende Kunden erster Klasse. Das fünfte ist das Quartier der Glücklichen, in dem die Lotteriegewinner mitfliegen. Zwischen den Quartieren der Wohlhabenden gibt es offene Türen, nur das Quartier der Glücklichen ist abgetrennt. Der Grund ist, dass die Lotterie dort Menschen unterschiedlicher Herkunft und zweifelhafter Moral zusammengewürfelt hat, mit denen die Wohlhabenden auf dem Schiff eher nichts zu tun haben wollen. Auch sollen die Glücklichen nicht neidisch auf die besser ausgestatteten Quartiere der Wohlhabenden schauen. Dies wird im weiteren Verlauf der Reise sicher noch zu Spannungen führen, aber noch nicht jetzt am Anfang.
- Schule: Die Schulen funktionieren im 24. Jahrhundert anders als heute. Kleine Kinder werden noch in Präsenz betreut, in Kindergruppen oder von ihren Eltern. Ab dem Alter von 6 Jahren bekommen sie eine KI, eine sogenannte Nanny. Von da an müssen sie nicht mehr zu einem bestimmten Ort gehen, sondern können zu Hause durch Einblendungen unterrichtet werden. D. h. die Schulklasse und der Lehrer werden in ihre Wahrnehmung eingeblendet. Der Lehrer ist standardmäßig eine KI, Teilbereiche können aber auch von Menschen unterrichtet werden.
- Krankenstation: Das Gesundheitswesen der Zukunft ist automatisiert. Man wird von Robotern und Maschinen behandelt. Menschen können sich noch zu Ärzten ausbilden lassen, sind aber Beiwerk, da sie den Beruf schlechter beherrschen als KIs. Niemand will sich von Menschen behandeln lassen.
- Polizeistation: Rechtliche Konflikte werden in eingeblendeten Gerichtsräumen geregelt, die Richter sind üblicherweise KIs. Außerdem gibt es in jedem Modul einen KI-gesteuerten Polizeiroboter. Im Notfall kann die Crew zusätzlich Angestellte von NovaShield schicken, der Security des Sternenschiffs.
- Farmdecks: Mit einer Grundfläche von 25.000 m² erlauben sie bei einem vierstöckigen Anbau etwa 100.000 m² Netto-Anbau. Angebaut werden Salate, Algen, Knollen, Getreide, Pilze, Aquakulturen.
- Automatische Fabrik und Ersatzteillager (3 Hallen)
- Kraftwerk
- Tanksegmente im Hüllenmantel, die Wasservorräte enthalten und gleichzeitig als Schilde gegen Strahlung fungieren.
In jedem Mudul gibt es eine Klinik, drei ambulante Behandlungsstationen, eine Gesamtschule (umfasst alles vom Kindergarten bis zur Uni), eine Polizeistation und ein Versorgungsdeck mit Einkaufs- und Vergnügungszentren. Alle weiteren Aufgaben (Betreuung der Farmen, des Kraftwerks und der automatischen Fabrik, Putzen, Waschen, Catering ...) werden von Sevice-Robotern erledigt, außer im Modul der Glücklichen. Dort müssen die Passagiere alles selbst erledigen.
Jedes der Hauptmodule könnte auch autark überleben ohne dem Rest des Schiffes. Eine Herausforderung wäre dann allerdings der Umgang mit der Schwerelosigkeit.
Quartiere
- Im Quartier der Glücklichen, fällt alles etwas kleiner aus, es ist deutlich weniger komfortabel und alle Arbeiten müssen von den Passagieren übernommen werden. Da hier durch die Lotterie Menschen unterschiedlicher Herkunft und Moral zusammengewürfelt wurden, ist das Ganze ist ein schwieriges Sozialexperiment. Dementsprechend wollen die Wohlhabenden Passagiere mit den Glücklichen nichts zu tun haben und leben streng getrennt von ihnen.
Brücke
Auf der Brücke laufen alle Informationen zur Navigation, Steuerung und Kontrolle des Schiffs zusammen. Passagiere haben dort keinen Zutritt. Dementsprechend weiß niemand genau, wie es dort aussieht, und keiner hat Kontakt zur Crew.
Antrieb
Technical Bulletin 2386-B
MAC-CORE IV – Myon-ASSISTED ANEUTRONIC CORE
Ausgabe: 17. April 2386
Vertraulichkeit: Interner Gebrauch, Kategorie A (Flight-Qualified Hardware)
Herausgeber: Directorate of Deep Propulsion Engineering (DPE), Mars-Orbital Yard 9
Systemprofil
Der MAC-Core IV ist die vierte Generation des Myonen-katalysierten aneutronischen Fusionsantriebs, optimiert für Langzeitmissionen und bemannte Generationenflüge. Die Einheit kombiniert p–B¹¹-Fusion mit supraleitender Magnetdüse, direkter Energierückgewinnung und automatischer Wärmeregelung.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Nenn-Schubleistung | 5,8 × 10⁹ N |
| Effektive Ausströmgeschwindigkeit | 0,22 c |
| Energiedichte (reaktiv) | 4,8 × 10¹⁴ J/kg |
| Gesamtwirkungsgrad | 4,8 × 10¹⁴ J/kg |
| Effektive Ausströmgeschwindigkeit | 62 % (inkl. Direktkonversion) |
| Myonen-Verbrauch | 3,4 × 10⁹ μ/s (reguliert) |
| Betriebsdauer pro Zyklus | bis 1,1 × 10⁷ s (≈ 128 Tage) |
| MTBF | ≥ 12 000 h |
| Kühlmedien | NaK-78 / H₂O-Graphen-Hybrid |
| Steuerung | FFS-AI V.7 (Deterministic Safety Core) |
Prinzip
- Myonen-Erzeugung
Im integrierten μ-LINAC werden Hochenergie-Protonen auf Wolframziele geschossen; Sekundärmyonen werden fokussiert und in magnetische Resonanzfallen geleitet. - Pellet-Zündung
Mikropellets aus deuteriertem Borhydrid (p-B¹¹-Matrix) werden im Katalysebecken synchron mit Myonen beschossen. Jede Zündung liefert rund 8,7 MeV pro Reaktionscluster, 99,8 % davon in geladenen Alphateilchen. - Magnetische Düse
Die Alphaströme werden in die supraleitende Düsen gelenkt. Feldlinien modulieren Richtung und Schubvektor. - Direktkonversion
Ein Teil der geladenen Produkte wird über Gitter für die Magnetohydrodynamik (MHD) abgebremst und direkt in Bordstrom gewandelt.
Sicherheits- und Redundanzsysteme
• Triple-Fail-Safe: Pellets, Myonenfluss, Magnetfeld – jeder einzeln schaltbar. • Passive Abschaltung: Reaktion endet < 10 µs nach Stopp des Myonenflusses. • Magnet-Quench-Bypass: schützt Spulen vor thermischem Durchgang. • Radiator-Autobalancing: moduliert Wärmeabfuhr während Phasenwechsel.
Wartungsprotokoll (Feldebene 2)
| Betrieb | Maßnahme |
|---|---|
| 100 h | Selbstheilung der Düsenbeschichtung prüfen |
| 1 000 h | Kryoleitungen entlüften, μ-LINAC kalibrieren |
| 5 000 h | Pelletmagazin tauschen, Feldspulen durchglühen |
| 10 000 h | Detaillierte Inspektion im Dock (Fast-Swap empfohlen) |
Hinweis: Der Austausch eines vollständigen MAC-Core-Moduls dauert 3,7 h bei 0 g, inklusive Entkopplung und Wiedereinbindung ins Kontrollnetz.
Bemerkungen des Chefingenieurs (Zitat aus dem Log 2386-B)
„Ein MAC-Core ist kein Motor im klassischen Sinn. Er ist ein Herz und schlägt im Takt der Sterne. Wer das stilllegt, sollte zuerst die Stille aushalten können.“ — Dr. Ishan K. Nayar, Chefingenieur, TERRANOVA-Programm
Herstellungs- und Lizenzstatus
• Fertigungsstandorte: Mars-Orbital Yard 9 / Luna Base Hephaistos • Lizenz: T-PC Patent #984-F/234 • Exportfreigabe: Kategorie VII-B (nicht dual-use) • Erstflug: TERRANOVA