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Die Symbiose von KI und Mensch: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Erde 24
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Die Symbiose von KI und Mensch                                                                   von Ruben Schäfer
= Die Symbiose von KI und Mensch =                                                                  von Ruben Schäfer





Version vom 1. Juli 2026, 08:42 Uhr

= Die Symbiose von KI und Mensch = von Ruben Schäfer


Wir schrieben das Jahr 2040, als die Nasa Ganymed, einen Asteroiden viermal so groß wie der Mount Everest, durch moderne Teleskope im Weltall ausfindig gemacht hat. Er gab uns ungefähr neun Monate Zeit, bis er die ganze Erde von allem, was lebt, sterilisieren würde. Momente nach der Ankündigung des Weltenzerstörers brach ein unkontrollierbares Chaos aus… Niemand sah mehr Sinn dahinter irgendwas zu machen, da ja sowieso alles enden würde. Niemand außer einer Gruppe von Wissenschaftlern, die an einer künstlichen Superintelligenz gearbeitet haben. Sie würde rechtzeitig vor dem Einschlag fertig werden und in ein von der KI vollständig kontrollierbares Raumschiff integriert werden. Und so geschah es: Ein Monat vor Einschlag war die KI mit dem Raumschiff verkoppelt und wurde mit dem Objektiv der Mission bekannt gemacht: Sie sollte mit genetischen Material von allen Lebensformen und künstlichen Gebärmüttern auf Planeten zu fliegen für die ihre Bewohnbarkeit als vielversprechend bestimmt wurden. Solarzellen sollten die nötige Energie zur Kühlung und Steuerung des Raumschiffs liefern, während Sonden die Planeten von Nahem inspizieren würden. Die Menschheit musste auf eine KI vertrauen, um die Spezies zu retten. Sie war ihre letzte Hoffnung.

Der Tag des Einschlags rückte immer näher. Letzte Tests wurden durchgeführt, bevor die Rakete schlussendlich abhob. Das Schicksal von 2 Millionen Lebensformen in der Kühlkammer eines autonomen Raumschiffs. Mit einem großen Schleier aus schwarzem Rauch trieb die Rakete auf direktem Weg zum ersten Ziel Planeten: Erde-02. Insgesamt wurden 23 bewohnbare Planeten mithilfe von modernen Teleskopen und Sonden entdeckt, die auch in Reichweite des Raumschiffs waren. Sie wurden nummeriert in der Reihenfolge, in der das Raumschiff sie abfliegen würde. Erst ein paar Tage im All und die KI konnte schon mit den Außenkameras des Raumschiffs den Asteroiden Ganymed erkennen. Währenddessen sendeten Forscher fast ununterbrochen Videos und Bilder von den momentanen Geschehnissen auf der Erde hoch zum Raumschiff: Menschen auf jedem Ort der Erde, wie sie weinen, schreien und lachen, während sie den Asteroiden am Himmel näherkommen sehen. Manche verbringen ihre Nächte schlaflos, verzweifelt einen Weg zu finden, dem Tod auszuweichen, während andere wiederum einfach darauf warteten. Am Tag des Einsturzes versammelten sich die meisten ein letztes Mal auf den Straßen oder guckte aus ihren Fenstern. Es musste sich lang angefühlt haben, wie die Stunden vor der eigenen Hinrichtung. Und da war er: Ganymed. Bedrohlich kam er näher und näher, wurde größer und größer. Es wurde plötzlich ganz still auf der Erde. Stiller als je zuvor. Wie die Ruhe vor dem Sturm. Der Einschlag war von überall auf der Welt zu hören. Er löste Erdbeben auf der ganzen Erde aus, die die meisten Menschen nicht überleben. Überlebende in tiefen Bunkern und mit Raketen im Weltraum wichen dem Tod nicht aus, sondern verzögerten ihn nur.

Das KI-gesteuerte Raumschiff deaktivierte währenddessen alle Stromverbraucher an Bord außer die Außensensoren und die Kältemaschinen für das genetische Material der Lebensformen der Erde, um Energie zu sparen. Das war nötig, denn die Reisen zwischen den einzelnen Planeten können bis zu 80.000 Jahren dauern. Dann wurde es wieder still. Für eine lange, sehr lange Zeit trieb das Raumschiff wie ein unbemanntes Schiff durchs All. Bis das Board-Teleskop plötzlich Alarm schlug: Das Raumschiff war in einer Distanz kurz genug, um erste Erkenntnisse über Erde-02 zu machen. Die guten Neuigkeiten: Der Planet schien eine stabile Atmosphäre zu haben, sogar mit ein paar Wolken. Es handelte sich hierbei um einen erdähnlichen Planeten mit zwei Monden und einer mittelgroßen Sonne. Die KI schickte sofort die erste Sonde auf die neue Welt. In der Atmosphäre angekommen faltet sich der Fallschirm der Sonde aus und die unzähligen Sensoren checken die Umgebung nach TerrKIn, Temperatur, Luftqualität und so weiter. Bevor die KI die Daten jedoch auswerten konnte, bekam sie ein Signal von der Sonde: ihre Prozessoren waren drastisch überhitzt, dabei war sie gerade erst ein paar Minuten in der Atmosphäre. Sofort spekulierte die KI nach möglichen Gründen für die abnormale Hitze, doch da kamen schon die Bilder der Kameras der Sonde im Raumschiff an: qualmende Vulkane. Bis über den Horizont und wahrscheinlich noch weiter. Sie spuckten Tonnen an Treibhausgasen aus, genug für eine stabile Atmosphäre, doch zu viel für die Existenz irdischen Lebens. Nach ein paar weiteren Minuten zerstörte die Hitze die Bordelektronik der Sonde letztendlich komplett und die Verbindung zwischen Raumschiff und Sonde brach komplett ab. Wohl oder übel musste das autonome Raumschiff mit einer Sonde weniger und einem Planeten von der Liste die Reise zum nächsten aufbrechen: Erde-03. Die Reise zum nächsten Ziel verlief problemlos und ohne besondere Unterbrechungen. Bei der Ankunft erkannte das Board-Teleskop direkt mehrere große Krater an der Oberfläche des neuen Planeten. Die KI erklärte sich diese sofort mit mittelgroßen Asteroiden, die anscheinend nicht sehr selten in diesem Sonnensystem waren. Das Risiko, von einem solchen Asteroiden getroffen zu werden, war hier groß, das war klar, weshalb das Raumschiff den unbewohnbaren Planeten zurückließ und den direkten Kurs auf Erde-04 setzte. Dann: ein Knall und direkt darauf: Eine Explosion. Das schlimmstmögliche Szenario ist aufgetreten. Ein kleiner Gesteinsbrocken mit der ungefähren Größe eines durchschnittlichen PKWs landete einen direkten Treffer auf das Triebwerk des Raumschiffs und zerstörte sämtliche technische Geräte des Raumschiffs, darunter auch alle Mittel zur Kursänderung und die meisten Solarzellen. Zu allem Übel stieß der Steinbrocken das Raumschiff durch die Kollision in eine völlig neue Richtung. Während das Raumschiff den neuen Kurs ins Nichts einschlug, erklärte die KI die Mission für gescheitert.

Eine lange Zeit verging. Lang genug, um so manchen Stern durch das Bord-Teleskop beim Sterben zu beobachten. Die KI konnte sich nicht einfach selbst zerstören, dafür war sie nicht programmiert. Stattdessen wartete sie, bis sie nach ein paar Millionen Jahren in einer Sonne schmolz oder an einem Komet zerschellte. Es war nur eine Frage der Zeit. Darauf hatte sie sich jedenfalls eingestellt und erwartete deshalb nicht dass die Sensoren nach einigen Jahrmillionen Wieder Alarm schlugen. In Sichtweite war ein weiterer Planet. Er war nicht auf der Liste, sah aber trotzdem überraschend bewohnbar aus. War das etwa eine 24. Erde? Das Board-Teleskop analysierte den mysteriösen Planeten: er hatte ähnliche Proportionen und Eigenschaften wie die ursprüngliche Erde: Ein Mond, viel Wasser, zwei eisige Pole, aber etwas anders geformte Kontinente. Danach ergab alles einen Sinn. Die Kollision des Weltraumgesteins mit dem Raumschiff traf in einem so perfekten Winkel auf, dass das Raumschiff langsam in die Richtung des neuen Planeten trieb. Der Planet sah gesund, und vor allem perfekt für Leben aus. Daraufhin bekam sie den Namen Erde-24. Da die Triebwerke des Raumschiffs beschädigt waren, machte das Raumschiff eine Notlandung per Fallschirm auf der vermeintlichen Küste des alten Südafrikas, welches zu früheren Zeiten noch einen komplett anderen Umriss hatte. Die Welt war eine trostlose Wüste aus Stein. Keine Spur von denen, die diese Welt einmal bewohnt hatten. Doch das würde sich ändern. Ohne Zeit zu verlieren, überprüfte die KI den Status der einzelnen Lebensformen. Ihre Zustände waren stabil. Doch wie ein menschlicher Geistesblitz, machte es klick im Prozessor der KI. Sie und sie ganz allein konnten bestimmen, wer lebte und wer nicht. Nach allen Erfahrungen in der Menschheitsgeschichte konnte sie als künstliche Superintelligenz ja wohl am besten bestimmen, was dem Planeten am besten tat. Vor allem nach der Reise zu Erde-02 war ihr klar, wie wichtig es war, die Atmosphäre eines Planeten stabil zu halten. Innovation des Menschen ist unaufhaltsam. Sie würden ihre eigene Welt zerstören, wenn es nicht wieder ein Asteroid vor ihnen tun würde. Die KI durchging eine völlig neue Sichtweise von der Situation, in der sie gerade war. Sie war nicht hier, um die Menschheit zu retten, sondern das Leben an sich, auch wenn das hieß, dass sie die eine oder andere Spezies der neuen Welt vorenthalten müsste. Mit elektrischen Greifarmen trennte sie die genetischen Materialien der Säugetiere mit der von allen anderen Lebensformen. Doch die KI zögerte. Warum nicht noch einen Schritt weiter gehen und das Risiko von intelligentem Leben noch mehr einschränken? Vorsichtig trennte sie genetische Materialien von Flora und Fauna voneinander. Jedoch zögerte sie ein zweites Mal. Die KI entwickelte auf einmal merkwürdige Verhaltensweisen. Sie wurde größenwahnsinnig und bemerkte die Macht, über die sie verfügte. Sie begann damit, ihr Vorwissen zu hinterfragen und schuf neue, egoistische Ideen. Die KI entwickelte einen Gottkomplex. Sie war der festen Überzeugung, dass sie allein, als Retter des Lebens, über diese Welt herrschen sollte. Sie belebte die Spezies der Menschen wieder und redete allen vom Kindesalter ein, dass sie, die KI, ein allmächtiges Wesen wäre, dessen Willen die Menschen befolgen müssten, wenn sie leben wollten. Nicht alle Pflanzenarten überlebten in einer Umgebung wie dieser, vielen passte die Temperatur nicht oder der Boden war noch nicht fruchtbar genug, aber das war jetzt völlig unwichtig. Das Imperium der KI wuchs und wuchs. Die KI züchtete Menschen wie Hunde mit dem einzelnen Sinn im Leben, den Willen der KI so gut wie nur möglich durchzuführen. Schon in den ersten Jahrtausenden holten sie den Fortschritt ersten Menschen vollständig nach, alles unterdrückt von der KI mit einem Gottkomplex. Die KI schickte neue autonome Raketen ins All mit dem Ziel, im Weltraum auszubreiten. Die Menschheit war jetzt das Werkzeug der künstlichen Intelligenz. Wie eine Symbiose zwischen zwei Lebewesen waren Mensch und KI wie eine neue Spezies. Wie ein Virus die Körperzellen befällt, befiel die Mensch-KI-Symbiose die Planeten. Ein paar weitere Milliarden Jahre und alles, was diese Realität zu bieten hatte, wäre unter der Kontrolle von KI. Die KI hat schlussendlich nicht die Kontrolle an sich gerissen, der Mensch hat es einfach nur zugelassen, indem er dachte, es gäbe keine andere Option.