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Partystimmung: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Erde 24
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Im Hintergrund hob jemand ein Glas. Gelächter. Musik.
Im Hintergrund hob jemand ein Glas. Gelächter. Musik.
Fortsetzung in: [[Romane#Das Sternenschiff|Das Sternenschiff]] von Johannes Anders

Version vom 16. September 2026, 14:54 Uhr

Partystimmung

Leseprobe aus: Das Sternenschiff von Johannes Anders

21. Februar 2397, Sternenschiff, Modul Amerika, Quartier der Glücklichen …

Warmes Licht lag auf den Stehtischen, die Oberflächen schimmerten matt. In die elegant gebogene Wand wurden riesige Fenster eingeblendet und schenkten Craig einen wunderbaren Panoramablick auf die Mondoberfläche. Sie hing grau und zerfurcht vor ihm, so nah, dass er glaubte, die Schatten der Krater berühren zu können. Stimmen mischten sich zu einem gleichmäßigen Hintergrundrauschen. Musik spielte, kaum mehr als ein Rhythmus.

Amelie stand neben ihm, in einem tiefblau glitzernden Abendkleid, das die linke Schulter frei ließ. Sie sah hinreißend aus.

Laurin drückte sich an ihn. „Papa, guck mal! Man sieht die Berge!“

Craig folgte dem Finger seines Sohnes. Die Einblendung zeigte eine flache Ebene, dahinter eine scharfe Schattenkante.

„Sag ihm, dass das der Daedalus-Krater ist“, schlug Jamie vor.

„Das ist der Daedalus-Krater“, erklärte Craig.

Laurin strahlte.

Amelie sah ihn kurz an, als würde sie prüfen, ob er wirklich da war.

Er war da.

„Du wirkst entspannt“, stellte Jamie fest.

„Bin ich“, dachte Craig.

Auf einem der Fenster erschien das Emblem der Mission: zwei Planeten, verbunden durch eine schmale Bahn. Hände klatschten hinter ihm.

Ein Conferencier wurde eingeblendet. Er trug einen eleganten schwarzen Anzug, sein Revers schimmerte wie poliertes Holz. „Meine Damen und Herren“, sagte er mit samtweicher Stimme, „in wenigen Minuten fahren wir den Hauptantrieb hoch. Bereiten Sie sich auf die einsetzende Schwerkraft vor.“

Ein Raunen ging durch den Raum.

„Endlich Schwerkraft“, dachte Craig. Das Schweben war anfangs etwas Besonderes gewesen. Aber nichts blieb da, wo man es gelassen hatte.

Der Boden vibrierte leicht.

Dann klirrte Besteck, das jemand zu früh hingelegt hatte. Gespräche wurden leiser.

Laurin griff nach seiner Hand. „Ist das schon der Start?“

„Ja“, sagte Craig. „Gleich beschleunigen wir.“

Die Vibration verstärkte sich kaum merklich. Craig spürte ein sanftes Absinken in den eigenen Stand, in die Magnetschuhe. Seine Füße standen fester auf dem Boden, die Schultern sanken minimal. In dem Informationsfenster lief eine Anzeige von null auf ein g hoch. In den Fenstern verschob sich die Perspektive des Mondes.

„Die Beschleunigungsphase hat begonnen“, erklärte der Conferencier ruhig. Auf dem Fenster mit dem Emblem wurde noch einmal der Flugplan eingeblendet: Sie würden 50 Tage lang beschleunigen, dann 29 Jahre und neun Monate gleiten und danach 50 Tage lang abbremsen. „Eins Komma null g erreicht“, meldete der Mann nach einer Weile. Er lächelte, als hätte er es persönlich herbeigeführt. „Alles läuft perfekt.“

Aus der Küche kamen diensthabende Passagiere mit Tabletts voller schlanker Sektgläser. Die Tabletts waren durchsichtig, die Gläser schienen in der Luft zu schweben, die Perlen des Sekts stiegen ruhig nach oben.

Einige Gäste klatschten.

Craig nahm ein Glas. Es fühlte sich kühl und schwer an in seiner Hand.

Laurin bekam einen alkoholfreien Traubensekt, ebenfalls in einem schmalen Glas. Er nahm es mit beiden Händen und stellte sich auf die Zehenspitzen, um es auf dem Tisch abzustellen.

Amelie prostete ihm zu. „Auf den Start!“

Craig hob sein Glas und nickte zurück.

„Auf die neue Erde“, sagte jemand hinter ihnen.

Craig lächelte. Er spürte Laurins kleine Hand in seiner.

Er trank.

Der Sekt war trocken. Klar. Genau richtig temperiert.

Und für einen Moment war alles einfach.

Der Mond hing noch im Fenster, aber er wirkte schon weiter entfernt. Langsam schob sich die Erde hinter ihm hervor: weiße Wolkenfelder, darunter das blaue Meer und das Braun und Grün des Kontinents Europa.

„Wir verabschiedeten uns von der Alten Welt“, sagte der Conferencier und hob sein Glas. „Leb wohl, Europa!“

Die Menschen klatschten. „Leb wohl, Europa!“, murmelten einige mit Tränen in den Augen.

Craig löste sich von Amelie und Laurin. „Ich hole mir noch etwas“, sagte er beiläufig und ging zur Bar hinüber.

Der Tresen leuchtete von innen, warm und bernsteinfarben. Dahinter standen zwei Passagiere und mischten Cocktails, die auf eingeblendeten Rezepten beruhten. Eiswürfel klirrten in Edelstahlshakern. Zitrusschalen lagen ordentlich aufgereiht auf einem Tablett.

Craig stellte sein leeres Sektglas ab. „Einen Gin Tonic, bitte!“

Ein Mann neben ihm drehte den Kopf.

Er war kleiner als Craig, vielleicht eins fünfundsiebzig, schmal. Das graue Haar lag strähnig nach hinten gekämmt auf seinem Schädel, der Bart wirkte ungepflegt, und seine Haut war gerötet, besonders an der Nase und an den Wangen. Die Augen blickten wässrig.

Und sie starrten Craig an.

Als hätten sie einen Geist gesehen.

Craig nickte ihm knapp zu, mehr aus Höflichkeit als aus Interesse. Ihm fiel auf, dass der Mann keine KI trug. Leute ohne KI waren ihm unheimlich. Mit denen sprach man besser nicht, wer weiß, was in ihnen vorging.

„Alles in Ordnung?“, fragte er dennoch, als der Typ ihn immer noch ansah.

Der schräge Alte blinzelte. „Sie …“, sagte er langsam. Seine Stimme war rau, vom Alkohol oder vom Alter oder von beidem. „Das kann nicht sein.“

Craig nahm sein Glas mit dem Gin entgegen, das ihm gereicht wurde. Das Eis klirrte leise.

„Was kann nicht sein?“

„Sie sind doch tot!“, sagte der verrückte Alte.

Im Hintergrund hob jemand ein Glas. Gelächter. Musik.


Fortsetzung in: Das Sternenschiff von Johannes Anders