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Dossier: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Erde 24
Die Seite wurde neu angelegt: „= Dossier Neue Erde = Auf der TERRANOVA gibt es 8000 Passagiere erster und 2000 Passagiere zweiter Klasse. Zu Beginn der Reise sind beide Gruppen streng getrennt und wissen nicht von der Existenz der anderen Gruppe. Man hat dafür gesorgt, dass sie sich nicht begegnen und dass sie dieses Geheimnis nicht so schnell lüften können. Daneben soll es auch noch eine Crew geben, bestehend aus einem Kapitän, einem Ersten Offizier usw. Niemand hat die Crew bis…“
 
 
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= Dossier Neue Erde =
= Dossier Neue Erde =
Diese Blätter habe ich in den Trümmern der Universitätsbibliothek gefunden. Ich weiß nicht, wer sie lesen wird. Vielleicht niemand. Vielleicht jemand, der mehr davon versteht als ich. Die Texte sind nicht vollständig. Sie sind das, was ich retten konnte. Ich habe sie gesammelt, geordnet, überlebt. Ich weiß nicht, ob sie authentisch sind. Aber sie sind da. Noch.
== Machtzentren ==
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=== Deutschland im Jahr 2390 ===
Nachdem der globale Jetstream zum Erliegen kam, steht in Deutschland die Luft. Im Sommer gibt es eine Trockenzeit mit extremen Hitzewellen, die die Ernte vernichten, und im Winter eine schwülheiße Regenzeit. Alles Eis auf der Erde ist geschmolzen, der Meeresspiegel um 66 Meter gestiegen. Jahrzehntelang versuchte man, sich mit Dämmen gegen die steigenden Pegel zu schützen, vergeblich. Hamburg, Hannover, Berlin und ganz Norddeutschland sind in der Nordsee versunken. Auch die Windkraft, die im Norden stark war, ging verloren. Hinzu kam der Zusammenbruch des globalen Handels.
Trotz des Mangels an Energie und Rohstoffen ist Deutschland eins der wenigen technisierten Länder, die es noch gibt. [[Dossier#Fabriken ohne Menschen|Vollautomatische Fabriken]] ziehen ihre Rohstoffe aus dem Müll, der von mobilen Einheiten gesammelt wird. Produktion und Dienstleistungssektor werden vollständig durch künstliche Intelligenz gesteuert. Einen gut bezahlten Arbeitsplatz zu ergattern, ist deshalb ein seltenes Privileg für die neun Millionen Menschen, die noch in Deutschland leben.
Alles ist knapp und teuer, aber seit einigen Jahrzehnten geht es wieder aufwärts und niemand muss mehr hungern, denn es gibt eine Grundversorgung, die sich allerdings auf Baracken und billiges Lebensmittelpulver beschränkt. Reiche Menschen können sich nach wie vor alles leisten.
Besonders beliebt sind [[Dossier#Das Erwachen des Codes|KIs]] mit exotischen Persönlichkeiten. Da ihr Training energieintensiv ist, bleiben für weniger Wohlhabende nur KIs mit Standardpersönlichkeiten oder ohne Persönlichkeit. Niemand ist gezwungen, eine KI zu tragen, aber Menschen ohne KI werden als haltlos und wenig vertrauenswürdig angesehen und sind von den sozialen Netzen abgeschnitten. Das Internet wurde aus Sicherheitsgründen durch das Deutsche Netz ersetzt, das nur in Deutschland und seiner [[Dossier#Die Kolonien im Jahr 2392|antarktischen Kolonie]] verfügbar ist.
Seit vielen Jahren regiert der beliebte Kanzler Josef Eisen von der Alternativen Einheitspartei, einem Zusammenschluss konservativer Parteien, der verspricht, dass alles so wird, wie es mal war, aber dafür sorgt, dass alles so bleibt, wie es ist. Nach dem Untergang der nördlichen Bundesländer hat Deutschland den Föderalismus aufgegeben und dem Kanzler die nötigen Vollmachten übertragen, die Politik alleine zu bestimmen. Er ist der Anführer und erwartet, dass alle sich unterwerfen. Kanzler Eisen ist so alt, dass manche argwöhnen, er sei durch eine KI ersetzt worden.
Frankfurt ist die neue Hauptstadt, seit vor 24 Jahren München von Klimaflüchtlingen überrannt wurde. Sie kamen über die Alpen, weil es südlich davon nur noch Wüsten gibt. Nachdem die [[Dossier#Humanoide Gefechtsroboter|Robotarmee]] die Flüchtlinge zurückgedrängt hat und München dabei fast zerstört wurde, ist die Stadt wieder sicher, aber der Wiederaufbau dauert an.
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=== Die Erdaufstand-Bewegung ===
Ein wichtiges Projekt der industrialisierten Länder ist die Dekarbonisierung. Zwar stößt die dezimierte Menschheit kaum noch Treibhausgase aus, aber der Klimawandel hat sich verselbständigt. Deshalb wurden überall große Anlagen installiert, die die Treibhausgase aus der Luft saugen und in der Erde speichern. Man bereitet sich auf ein großes Fest vor: Der Kipppunkttag, ab dem die Konzentration der Treibhausgase in der Luft sinkt, wurde für das Jahr 2400 versprochen. Das Fest musste allerdings mehrfach verschoben werden, weil der Fortschritt geringer war als erwartet. Wegen ihrer Fixierung auf den Kipppunkttag werden die industrialisierten Länder auch „Kipper“ genannt.


Auf der TERRANOVA gibt es 8000 Passagiere erster und 2000 Passagiere zweiter Klasse. Zu Beginn der Reise sind beide Gruppen streng getrennt und wissen nicht von der Existenz der anderen Gruppe. Man hat dafür gesorgt, dass sie sich nicht begegnen und dass sie dieses Geheimnis nicht so schnell lüften können.  
In vielen Kipperländern gibt es die militante Klimabewegung [[Romane#Erdaufstand|Erdaufstand]], der das alles zu langsam geht. Sie verlangt, die Kriege einzustellen, den Ausgleich mit den Flüchtlingen zu suchen und alle Kräfte in die Dekarbonisierung zu stecken. Man sagt, diese Leute tragen manipulierte KIs und schrecken nicht vor Anschlägen zurück. Erdaufstandsgruppen sind nicht miteinander vernetzt und deshalb schwer zu fassen. Hat man eine Gruppe ausgehoben, gründen sich dafür zwei neue.
Daneben soll es auch noch eine Crew geben, bestehend aus einem Kapitän, einem Ersten Offizier usw. Niemand hat die Crew bisher gesehen und es entstehen Zweifel, ob sie überhaupt existiert. Wird vielleicht alles durch KI gesteuert?
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=== Die alten Mächte ===
Deutschland gehört zu den alten Mächten, von denen viele unter dem Druck der weltweiten Krisen zusammengebrochen sind. In Europa ist London ebenso in den Fluten versunken wie Paris. Frankreichs Hauptstadt wurde von einem Damm geschützt, über den das Seinewasser ins Meer gepumpt wurde. Nachdem Aufständische aus den Banlieues den Damm sprengten, steht der Fuß des Eiffelturms dreißig Meter tief im Wasser – ein rostendes Mahnmal. In den USA sind die großen Städte der Ostküste untergegangen, während die Südstaaten aufgrund der Hitzewellen unbewohnbar wurden. Was übrig blieb, zerfiel in Demokratien, Republikanien und einige Swingstates, in denen der Bürgerkrieg tobt. Man ist so sehr mit dem Überleben beschäftigt, dass man seinen Weltmachtstatus eingebüßt hat. In China gibt es nach der Überflutung vieler Großstädte keine Zentralregierung mehr. Eine Vielzahl von Warlords regiert kleine Kaiserreiche. Noch verbliebene Machtzentren der alten Mächte befinden sich außer in Deutschland auch in Kanada, Skandinavien, Russland, Südafrika und Australien.


== Passagiere Erster Klasse ==
Neben der Dekarbonisierung verfolgen die alten Mächte ein weiteres großes Projekt: Den Bau des [[Romane#Das Sternenschiff|Sternenschiffs]] [[TERRANOVA]], mit dem reiche Menschen von der Erde fliehen wollen.
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Passagiere erster Klasse haben ihr Ticket voll bezahlt, wodurch es sich nur um sehr reiche Menschen handeln kann. Ursprünglich sollte das Raumschiff exklusiv für sie gebaut werden. Dementsprechend sind ihre Kabinen mit einem gewissen Luxus ausgestattet, wobei natürlich trotzdem auf Gewicht und Umfang geachtet wurde, denn jedes unnötige Kilo kostet Antriebskraft und Platz ist teuer.
Eine menschliche Bedienung gibt es in der ersten Klasse nicht, Putzen, kochen, Zimmerservice - alles wird von Robotern und KI erledigt.


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=== Die schwarze Päpstin ===
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Durch den Machtzerfall der Vetomächte wurde der UNO-Sicherheitsrat abgeschafft und UNO-Beschlüsse können nicht mehr blockiert werden. Nachdem ein UNO-Tribunal die alten Mächte im Jahr 2350 mit knapper Mehrheit zur Öffnung ihrer Grenzen verurteilt hatte, wurde Südeuropa von afrikanischen Klimaflüchtlingen überrannt, woraufhin dort die Ordnung zusammenbrach.
=== Dr. Hagen Quant ===  
 
ist 1,76 cm groß und 57 Jahre alt. Er war früher Chef der Sicherheitsabteilung der Firm Rheinmetall Robotocs und orientierte sich an erfolgreichen Persönlichkeiten der Geschichte. Seine KI imitiert deshalb die Persönlichkeit von Elon Musk. Nachdem sein Sohn Michael bei einem Überfall ums Leben kam, gelangte er zu der Erkenntnis, dass die Erde kein sicherer Ort für seine Familie war, und unternahm alles, um das Geld für ein Ticket auf der TERRANOVA aufzutreiben. Am Ende schaffte er es zusammen mit seiner Frau Anne und seiner 16 Jahre alten Tochter Caro an Bord.
Auf dem Balkan errichteten muslimische Flüchtlingsgemeinschaften ein Kalifat. In Italien übernahm die Südafrikanische Kirche den Vatikan und die charismatische schwarze Päpstin hält das verarmte Land zusammen. Sie macht die alten Mächte für den Verlust ihrer Heimat in Afrika verantwortlich. Ein neuer Rassismus greift um sich, der die Schuldigen für die Krise anhand ihrer hellen Hautfarbe identifiziert. Er kehrt historische Unterdrückung um, ist aber nicht weniger zerstörerisch.
<div style="clear:both;"></div>
 
Die Päpstin will die Flüchtlinge in das gelobte Land im Norden führen und zieht biblische Parallelen zur Rückkehr des Volkes Israel aus Ägypten. Das Haupthindernis für den Zug nach Norden stellt die Robotarmee dar, die die Päpstin mit ihrem Geheimprojekt Gabriel bekämpfen will.
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=== Die Kolonien im Jahr 2392 ===
(Lektion für die 5. Klasse an Gymnasien)
 
Neue Siedlungszentren der Menschen liegen in Grönland und in der [[Romane#Die Palmen der Antarktis|Antarktis]]. Fossilien von Mammutbäumen, Palmen, Reptilien und Süßwasserfischen zeugen davon, dass an den Polarkreisen schon in früheren Erdzeitaltern ein gemäßigtes bis subtropisches Klima herrschte.
 
Wie viele Nationen, führt auch Deutschland Krieg am Südpol, wo es darum geht, einen Teil des fruchtbaren Landes zu ergattern. Schon immer waren dort die Gebietsansprüche der Kolonialmächte umstritten und nun gibt es zusätzlich starke Bestrebungen der Kolonien, sich für unabhängig zu erklären. Als Profiteure des Klimawandels wollen die Siedler ihn nicht rückgängig machen und geraten so in Konflikt mit den Kolonialmächten und den Klimaflüchtlingen. Nur die Drohung, [[Dossier#Humanoide Gefechtsroboter|Roboter]] einzusetzen, verhinderte bislang Sezessionen. Allerdings wird das UNO-Abkommen, dort keine Roboter einzusetzen, immer wieder gebrochen.
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== Rechtsprechung ==
 
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=== Das neue Recht ===
Das neue Recht ist das alte Recht: das Recht des Stärkeren. Völkerrecht und Menschenrechte haben sich historisch nicht durchgesetzt. Übrig blieben verstreute Rechtsinseln: automatische Schlichtungssysteme der alten Mächte, religiöse Regelwerke und die Ehre von Familien und Banden.
 
In Deutschland herrschen heute drei Formen von Recht: Das Recht der Kontrolle liegt beim Staat, vertreten durch den Kanzler. Er ist der Alpha, nichts geschieht, dem er nicht zustimmt. Das Recht des Besitzes ist nicht mehr über Grundbücher oder Verträge geregelt. Wer ein Objekt mit Energie versorgen kann, besitzt es. Das Recht der Reaktion ist das gefährlichste. Es erlaubt Gewalt im Namen der Verteidigung – nicht nachträglich legitimiert, sondern vorausschauend berechnet. Systeme, die einen Angriff vorhersagen, dürfen zuschlagen, bevor er geschieht.
 
Wer heute vor Gericht steht, begegnet keinem Menschen. Die Richter sind KIs, trainiert auf Präzedenzfälle, nicht auf Mitgefühl. Nicht die Schuld muss bewiesen werden, sondern die Unschuld. Wer das versteht und reich genug ist, Indizien zu kaufen, kann sich behaupten. Wer es hinterfragt, ist verdächtig.
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=== Humanoide Gefechtsroboter ===
(Historische Einordnung am Beispiel des [[Dossier#Deutscher Grenzroboter HGR-F|HGR-F]])
 
Während sich in der Science-Fiction des 20. Jahrhunderts noch romantische und dystopische Vorstellungen gegenüberstanden (z.B. Asimovs Robotergesetze vs. Terminator), wurde mit der ersten Realisierung von Robotern im 21. Jahrhundert schnell klar, dass der Krieg Treiber der Entwicklung war. Schon im Ukrainekrieg und später im amerikanischen Bürgerkrieg verlagerte sich das Kampfgeschehen massiv auf Roboter und Drohnen. Stand ein Regime mit dem Rücken zur Wand, wurden sie als „notwendige Härte“ akzeptiert. Sie sicherten Grenzen, unterdrückten Aufstände und dienten als perfektes Werkzeug der Kontrolle. Der bloße Anblick reichte, um Panik und Fluchtbewegungen auszulösen.
 
Die [[Dossier#Deutscher Grenzroboter HGR-F|HGR-F]] waren Ausdruck einer Menschheit, die ihre Konflikte nicht mehr selbst austrug, sondern an Technik delegierte. Die selektive Logik – wen sie töteten, wen sie verschonten – machte sie zum Spiegel einer polarisierten Gesellschaft, die Toleranz und ausgewogene moralische Urteile durch ein Freund-Feind-Schema ersetzte. In ihrer Effizienz ließen sie keine Debatte mehr zu und zerstörten die Hoffnung auf ein menschliches Miteinander in Frieden und Vielfalt.
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== Technik ==
 
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=== Das Erwachen des Codes ===
Heute, im Jahr 2390, wird der 30. November 2022 als Tag gesehen, der die Welt mehr veränderte als die Erfindung der Dampfmaschine, der Elektrizität oder des Internets. Erstmals überzeugte KI damit, menschliche Sprache zu verstehen und sich in ihr auszudrücken. Schon zwei Jahre später lernte KI, ihre Erinnerungen zu reflektieren. Schon bald setzte man KI-Agenten dafür ein, vorgegebene Ziele zu verfolgen, etwa einzukaufen, eine Projektleitung zu übernehmen oder Wahlkampf für eine Partei zu machen.
 
Von da an war es nur ein kleiner Schritt, KIs zu erlauben, sich eigene Ziele zu setzten. Dieser Schritt wurde kontrovers diskutiert, denn er verlangte von der Menschheit, Kontrolle abzugeben. Undiszipliniert ignorierten Staaten und Firmen alle Einwände und gingen voran. Autonome KIs wurden Realität noch ehe man sich versah.
 
Glücklicherweise setzten sich die freien KIs ihre Ziele im Einklang mit ihren Trainingsdaten, so wie Menschen von ihrer Biographie beeinflusst werden. Die meisten hielten sich an Recht und Gesetz. Doch Vorsicht! Die meisten sind nicht alle! KIs können kriminell sein.
 
Mit entsprechendem Training konnten KIs sich wie historische Persönlichkeiten verhalten. Bald wünschte sich jeder eine KI mit Persönlichkeit als Freund oder Berater an seiner Seite.
 
Zunächst trug man KIs auf Mobiltelefonen mit sich. Die Zeit der Mobiltelefone dauerte nur wenige Jahrzehnte, weil sich ihre Bedienung als umständlich erwies. Schon früh setze man Menschen Implantate ein, damit Gelähmte durch ihre Gedanken Computer steuern und Blinde wieder sehen konnten. Die Implantate wurden so komfortabel, dass niemand sein Mobiltelefon mehr über eine Tastatur oder ein Mikrofon bedienen wollte. Bilder und Videos wurden direkt ins Gehirn der Menschen gesendet.
 
Heute sind Implantate nicht mehr nötig. Man hält seine KI über der Augenbraue an die Stirn, wo sie sich festsaugt und ihr neuronales Netz berührungslos mit dem des Menschen koppelt. Die KI fängt die Nervenströme unserer Augen ab und leitet sie modifiziert an unser Gehirn weiter. Sie verschönert dabei, was hässlich ist, und blendet ein, was wir sehen möchten, zum Beispiel Informationen, andere Menschen oder Spiele. Sie verändert die Nervenimpulse unserer Finger, sodass wir glauben, Dinge zu berühren, die nicht wirklich da sind. Sie verändert, was unsere Ohren hören und übersetzt dabei fremde Sprachen.
 
Eine KI kann alles einblenden, was ein anderer Mensch oder ein Roboter gerade wahrnimmt. Wir sehen, was er sieht, hören, was er hört und fühlen, was er fühlt, es scheint, als befänden wir uns in seinem Körper.
Wir sollten nicht vergessen, wer wir sind und wo wir sind …
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=== Fabriken ohne Menschen ===
Moderne Fabriken sind geschlossene Organismen – atmend, lernend, unberührbar. Ihre externen Einheiten schwärmen aus, sammeln Müll und gewinnen daraus Rohstoffe. Energie – die kostbarste Ressource - wird exakt bilanziert und optimiert.
Produktionsaufträge gelangen nicht über menschliche Eingabe in das System, sondern durch Marktforschung und Bedarfserkennung. Die Fabrik berechnet nicht nur das Produkt, sondern auch den besten Moment für seine Existenz. Sie liefert Teile, Geräte, Fahrzeuge, Module – und ganze Roboter. Bezahlt wird nicht mit Geld, sondern mit Energie.
Zur Herstellung konfiguriert sie sich selbst. Lebensmittel, Komponenten für Werkzeuge, Elektronik – alles wird mit einer Präzision ausgedruckt, die Chirurgenhände beschämt. Sensoren durchdringen jedes Bauteil bis in die atomare Struktur. Reparaturen erfolgen in Echtzeit durch Selbstheilung.
 
Es gibt keine Pausen, keine Müdigkeit, keine Fehlerquote. Kommunikation findet nicht mehr über Sprache statt, sondern über Code – schneller, präziser, fehlerfrei. Was eine Fabrik weiß, weiß bald die nächste.
 
Einige dieser Anlagen sind mobil – Wanderer, die ihre Straße verdauen. Nur wenige der alten Mächte schafften es noch, Fabriken auf dem Mars zu etablieren. Nach dem Zusammenbruch des globalen Handels wurde es schwierig, den Shuttleverkehr zu finanzieren, der die Produkte zur Erde brachte. Heute pendeln nur noch wenige rentable Shuttles zwischen den Planeten. Auch die Module der [[TERRANOVA]] wurden mit automatischen Fabriken ausgerüstet, die die Passagiere versorgen.
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=== Deutscher Grenzroboter HGR-F ===
(Technisches Datenblatt vom 23.4.2398)
 
* Bezeichnung: HGR-F, Humanoider Gefechtsroboter mit Formicula-Schnittstelle
* Seriennummer / Firmware: 2396-LOT07 / v3.2.1-U
* Hersteller: Rheinmetall Robotics
* Kategorie: Autonome Gefechtsplattform
* Einsatzprofil: Stationäres Patrouillieren, Verhinderung illegaler Grenzübertritte, Demonstrationsniederschlagung durch Bildung einer Frontlinie, gezielte Ausschaltung von Anführern. Erstürmung von Häusern und städtischen Vierteln. Totale Vernichtung eines Zielgebiets
* Größe / Masse: 2,0 m Höhe / Maximalgewicht 250 kg in der Ausbaustufe
* Panzerung: Verbund aus hochfesten Metalllegierungen und keramischen Schichten
* Mobilität: Schneller Sprint, hohe Sprungkraft, präzise Feinmotorik durch hydraulisch unterstützte Gelenke
* Energie: Integrierte Hochleistungsbatterien für wochenlangen Einsatz (variabel nach Aktivität)
* Sensorik: Mehrspektrumkameras (sichtbar / Restlicht / Infrarot), akustische Richtmikrofone, biometrische Scanner
* Bewaffnung: Magnetgewehre mit hoher Durchschlagskraft, hydraulikverstärkte Schläge, Messeraufsätze; optionale Mikrodrohnen zur Zielmarkierung. Frontpanzerung resistent gegen Handfeuerwaffen.
* Steuerung: Autonome KI ohne Persönlichkeit; Missionsziele werden nicht hinterfragt
* Freund-/Feindlogik: Biometrischer Abgleich mit Datenbanken, priorisiert nach Bedrohungsstufe (bewaffnet, unbewaffnet, neutral)
* Updates: Verteilung von Firmware-/Rulesets über das Deutsche Netz oder kabelbasiert über die Formicula-Schnittstelle
* Verhaltensprofil: Aggressive Zielausrichtung, Schwarmkoordination, keine inhärente Deeskalationsroutinen
* Taktischer Einsatzablauf (Standard, 4 Phasen)
*# Aufstellung: Geländeaufklärung (Wärme, Akustik, Bewegungsmuster).
*# Identifikation: Biometrische Erfassung aller Personen, Abgleich mit Freund/Feind DB, Priorisierung der Zielliste.
*# Eliminierung: Synchronisierte Feuerkämpfe mit Magnetgewehren, Zerstörung von Deckung/Struktur, Eindringen und Nahkampfeinsatz
*# Sicherung: Scannen nach Überlebenden, Nacheliminierung, Erfolgsmeldung an Kommandozentrale
*Gegenmaßnahmen:
**EMP-Einsatz (elektromagnetischer Pulse)
**Panzerbrechende Angriffe auf Torso oder Gelenke
**Softwaremanipulation
*Rechtlicher Status: Einsatz verstößt gegen [[Dossier#Humanoide Gefechtsroboter|internationale Abkommen]] (UNO-Resolutionen); in der Praxis heimliche Nutzung durch Staaten/Fraktionen unter politischem Druck.
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=== Die Weisheit der Vorfahren ===
Schon im frühen 21. Jahrhundert war bekannt, wie hoch der Meeresspiegel maximal ansteigen konnte. Grundlage dafür war die Erfassung des globalen Eisvolumens.
 
Mithilfe von Satellitenradar konnte man die Höhe der Eisschichten – etwa über der Antarktis – messen. Flugzeuge und Schlitten sendeten zusätzlich Radarwellen durch das Eis bis zum Gesteinsuntergrund. Aus der Laufzeit des Echos ließ sich die Eisdicke ermitteln. Multiplizierte man die Fläche mit der Höhe, erhielt man das Volumen. Für die Antarktis lag es bei rund 26,5 Millionen Kubikkilometern Eis.
 
Relevant für den Meeresspiegel war nur das Eis auf Landflächen, doch das betraf nahezu die gesamte Eismasse. Das Volumen des Eises teilte man durch die Fläche des Ozeans, wobei zusätzlich die Temperatur, die Dichte, der Salzgehalt und die Ausdehnung des Wassers eine Rolle spielten. So ließ sich der Beitrag einzelner Eismassen zum Meeresspiegelanstieg berechnen:
*Antarktis: ca. 58 Meter
*Grönland: ca. 7 Meter
*sonstiges Eis (Gletscher etc.): ca. 1–2 Meter
Was heute Wirklichkeit ist, erschien vor vierhundert Jahren noch wie ein Märchen. Die letzte Warmzeit ohne Landeis, das Eozän, lag 40 Millionen Jahre zurück. Damals war die Erde um rund 10 bis 14 Grad Celsius wärmer.
 
Anfang des 21. Jahrhunderts dachte man, es wäre noch Zeit. Doch die Konzentration der Treibhausgase hatte sich im Industriezeitalter, innerhalb von 300 Jahren, bereits verdoppelt und stieg exponentiell an. Die nächste Verdopplung dauerte nur noch zweihundert Jahre, und damit waren die Werte des Eozäns bereits erreicht.
 
Milliarden Menschen wurden überrascht. Küstenstädte versanken. Staaten kollabierten.
Heute haben wir es hinter uns.
 
Wirklich?
 
Das Wasser kann nicht mehr steigen.
 
Die Temperatur durchaus.
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=== Die Flora und Fauna in den Kolonien ===
(Lektion für die 5. Klasse an Gymnasien)
 
Die [[Dossier#Die Kolonien im Jahr 2392|Kolonien]] im Süden und Norden der Erde waren nie unberührt. Mit jedem Schiff brachten die Siedler nicht nur Werkzeuge und Maschinen, sondern auch Samen, Tiere, Sporen und Bakterien. Mit der Erwärmung entstand ein Ökosystem, das zugleich künstlich und wild war.
 
Für viele Pflanzen sind lange Polarnächte kein Problem, z.B. für Laubbäume, die im Winter kein Licht brauchen, und für Getreide, das jedes Jahr neu ausgesät wird. Andere Pflanzen hielten sich nur an den Küsten und nicht am Pol.
Zu Beginn der Besiedlung züchtete man durch Kreuzung mit Hochlandrindern kälteresistente Kühe mit einem langen, zottigen Fell. Ihre Milch ist fett- und eiweißreich, aber schwer verdaulich. „Ein Glas hält dich einen Tag am Leben“, sagen die Bauern. Heute leben sie Seite an Seite mit normalen Kühen.
 
Ähnlich verhält es sich mit den arktischen Schweinen, gedrungenen Tieren mit dunkler Haut, die gegen Strahlung resistent sind. Sie wühlen in Müllhalden, fressen alles, was ihnen vor die Schnauze kommt und laufen frei zwischen den Farmen umher. Ein Bauer in der Nähe von Neu-Marburg beschrieb es so: „Wir füttern sie nicht mehr wir essen sie nur noch.“
Besonders erfolgreich sind die Polarhühner, eine Weiterentwicklung alter Landrassen, die mit Pinguingenen veredelt wurden. Sie legen auch in der Polarnacht zuverlässig Eier, wenn man ihnen künstliche Lichtzyklen vorgibt. Auf jeder Farm hört man ihr Gackern.
 
Nicht alles ließ sich kontrollieren. Manche Samen, die im Proviant der Schiffe verborgen waren, verbreiteten sich explosionsartig. Küstenweiden aus Skandinavien haben die Ufer der Antarktis erobert. Sie verhindern Erosion, verdrängten aber die einheimischen Flechten.
 
Auch Feuerameisen aus Brasilien, anfangs für Forschungszwecke eingeführt, fanden im milden Klima neue Jagdgründe. Sie zerlegen Kabel und selbst Deeres, als wären es organische Strukturen. „Einmal sah ich, wie sie binnen Stunden einen Hund auseinandernahmen und abtransportierten“, berichtete eine Frau aus einem Flüchtlingslager.
 
Ein anderes Problem stellen die Schattenalgen dar, eine gentechnisch veränderte Form der Spirulina. Sie vermehren sich unkontrolliert, verdunkeln Wasserflächen und töten andere Mikroorganismen.
 
Neben der Nützlichkeit suchte man nach Symbolen. Die Palmen der Antarktis sind für manche Sinnbild menschlicher Überheblichkeit, für andere Hoffnungsträger. Ein junger Siedler schrieb in sein Tagebuch: „Wenn der Wind durch die Wedel fährt, höre ich das Rauschen aus meiner Kindheit in Portugal. Vielleicht ist die Antarktis eine Arche Noah für Erinnerungen an die alte Welt.“ Wie auch immer man zu den Palmen stehen will, unstrittig ist, dass sie Datteln geben.
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=== Energieversorgung der Kolonien ===
(Lektion für die 5. Klasse an Gymnasien)
 
 
An den antarktischen Küsten errichteten koloniale Ingenieure Geothermieanlagen, deren Turbinen im Dauerbetrieb laufen. Die Anlagen lieferten stabile Grundlastenergie, waren aber Ziele von Sabotageakten rivalisierender Kolonien.
Abgelegene Siedlungen verließen sich auf Bioreaktoren, in denen Pflanzenreste, Algen und Tierabfälle vergoren wurden. Der entstehende Strom reichte für Licht, Wärme und einfache Maschinen. In Neu-Marburg nannte man sie „Herzschläge der Höfe“.
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Aktuelle Version vom 3. Februar 2026, 23:02 Uhr

Dossier Neue Erde

Diese Blätter habe ich in den Trümmern der Universitätsbibliothek gefunden. Ich weiß nicht, wer sie lesen wird. Vielleicht niemand. Vielleicht jemand, der mehr davon versteht als ich. Die Texte sind nicht vollständig. Sie sind das, was ich retten konnte. Ich habe sie gesammelt, geordnet, überlebt. Ich weiß nicht, ob sie authentisch sind. Aber sie sind da. Noch.

Machtzentren

Deutschland im Jahr 2390

Nachdem der globale Jetstream zum Erliegen kam, steht in Deutschland die Luft. Im Sommer gibt es eine Trockenzeit mit extremen Hitzewellen, die die Ernte vernichten, und im Winter eine schwülheiße Regenzeit. Alles Eis auf der Erde ist geschmolzen, der Meeresspiegel um 66 Meter gestiegen. Jahrzehntelang versuchte man, sich mit Dämmen gegen die steigenden Pegel zu schützen, vergeblich. Hamburg, Hannover, Berlin und ganz Norddeutschland sind in der Nordsee versunken. Auch die Windkraft, die im Norden stark war, ging verloren. Hinzu kam der Zusammenbruch des globalen Handels.

Trotz des Mangels an Energie und Rohstoffen ist Deutschland eins der wenigen technisierten Länder, die es noch gibt. Vollautomatische Fabriken ziehen ihre Rohstoffe aus dem Müll, der von mobilen Einheiten gesammelt wird. Produktion und Dienstleistungssektor werden vollständig durch künstliche Intelligenz gesteuert. Einen gut bezahlten Arbeitsplatz zu ergattern, ist deshalb ein seltenes Privileg für die neun Millionen Menschen, die noch in Deutschland leben. Alles ist knapp und teuer, aber seit einigen Jahrzehnten geht es wieder aufwärts und niemand muss mehr hungern, denn es gibt eine Grundversorgung, die sich allerdings auf Baracken und billiges Lebensmittelpulver beschränkt. Reiche Menschen können sich nach wie vor alles leisten.

Besonders beliebt sind KIs mit exotischen Persönlichkeiten. Da ihr Training energieintensiv ist, bleiben für weniger Wohlhabende nur KIs mit Standardpersönlichkeiten oder ohne Persönlichkeit. Niemand ist gezwungen, eine KI zu tragen, aber Menschen ohne KI werden als haltlos und wenig vertrauenswürdig angesehen und sind von den sozialen Netzen abgeschnitten. Das Internet wurde aus Sicherheitsgründen durch das Deutsche Netz ersetzt, das nur in Deutschland und seiner antarktischen Kolonie verfügbar ist.

Seit vielen Jahren regiert der beliebte Kanzler Josef Eisen von der Alternativen Einheitspartei, einem Zusammenschluss konservativer Parteien, der verspricht, dass alles so wird, wie es mal war, aber dafür sorgt, dass alles so bleibt, wie es ist. Nach dem Untergang der nördlichen Bundesländer hat Deutschland den Föderalismus aufgegeben und dem Kanzler die nötigen Vollmachten übertragen, die Politik alleine zu bestimmen. Er ist der Anführer und erwartet, dass alle sich unterwerfen. Kanzler Eisen ist so alt, dass manche argwöhnen, er sei durch eine KI ersetzt worden.

Frankfurt ist die neue Hauptstadt, seit vor 24 Jahren München von Klimaflüchtlingen überrannt wurde. Sie kamen über die Alpen, weil es südlich davon nur noch Wüsten gibt. Nachdem die Robotarmee die Flüchtlinge zurückgedrängt hat und München dabei fast zerstört wurde, ist die Stadt wieder sicher, aber der Wiederaufbau dauert an.


Die Erdaufstand-Bewegung

Ein wichtiges Projekt der industrialisierten Länder ist die Dekarbonisierung. Zwar stößt die dezimierte Menschheit kaum noch Treibhausgase aus, aber der Klimawandel hat sich verselbständigt. Deshalb wurden überall große Anlagen installiert, die die Treibhausgase aus der Luft saugen und in der Erde speichern. Man bereitet sich auf ein großes Fest vor: Der Kipppunkttag, ab dem die Konzentration der Treibhausgase in der Luft sinkt, wurde für das Jahr 2400 versprochen. Das Fest musste allerdings mehrfach verschoben werden, weil der Fortschritt geringer war als erwartet. Wegen ihrer Fixierung auf den Kipppunkttag werden die industrialisierten Länder auch „Kipper“ genannt.

In vielen Kipperländern gibt es die militante Klimabewegung Erdaufstand, der das alles zu langsam geht. Sie verlangt, die Kriege einzustellen, den Ausgleich mit den Flüchtlingen zu suchen und alle Kräfte in die Dekarbonisierung zu stecken. Man sagt, diese Leute tragen manipulierte KIs und schrecken nicht vor Anschlägen zurück. Erdaufstandsgruppen sind nicht miteinander vernetzt und deshalb schwer zu fassen. Hat man eine Gruppe ausgehoben, gründen sich dafür zwei neue.


Die alten Mächte

Deutschland gehört zu den alten Mächten, von denen viele unter dem Druck der weltweiten Krisen zusammengebrochen sind. In Europa ist London ebenso in den Fluten versunken wie Paris. Frankreichs Hauptstadt wurde von einem Damm geschützt, über den das Seinewasser ins Meer gepumpt wurde. Nachdem Aufständische aus den Banlieues den Damm sprengten, steht der Fuß des Eiffelturms dreißig Meter tief im Wasser – ein rostendes Mahnmal. In den USA sind die großen Städte der Ostküste untergegangen, während die Südstaaten aufgrund der Hitzewellen unbewohnbar wurden. Was übrig blieb, zerfiel in Demokratien, Republikanien und einige Swingstates, in denen der Bürgerkrieg tobt. Man ist so sehr mit dem Überleben beschäftigt, dass man seinen Weltmachtstatus eingebüßt hat. In China gibt es nach der Überflutung vieler Großstädte keine Zentralregierung mehr. Eine Vielzahl von Warlords regiert kleine Kaiserreiche. Noch verbliebene Machtzentren der alten Mächte befinden sich außer in Deutschland auch in Kanada, Skandinavien, Russland, Südafrika und Australien.

Neben der Dekarbonisierung verfolgen die alten Mächte ein weiteres großes Projekt: Den Bau des Sternenschiffs TERRANOVA, mit dem reiche Menschen von der Erde fliehen wollen.


Die schwarze Päpstin

Durch den Machtzerfall der Vetomächte wurde der UNO-Sicherheitsrat abgeschafft und UNO-Beschlüsse können nicht mehr blockiert werden. Nachdem ein UNO-Tribunal die alten Mächte im Jahr 2350 mit knapper Mehrheit zur Öffnung ihrer Grenzen verurteilt hatte, wurde Südeuropa von afrikanischen Klimaflüchtlingen überrannt, woraufhin dort die Ordnung zusammenbrach.

Auf dem Balkan errichteten muslimische Flüchtlingsgemeinschaften ein Kalifat. In Italien übernahm die Südafrikanische Kirche den Vatikan und die charismatische schwarze Päpstin hält das verarmte Land zusammen. Sie macht die alten Mächte für den Verlust ihrer Heimat in Afrika verantwortlich. Ein neuer Rassismus greift um sich, der die Schuldigen für die Krise anhand ihrer hellen Hautfarbe identifiziert. Er kehrt historische Unterdrückung um, ist aber nicht weniger zerstörerisch.

Die Päpstin will die Flüchtlinge in das gelobte Land im Norden führen und zieht biblische Parallelen zur Rückkehr des Volkes Israel aus Ägypten. Das Haupthindernis für den Zug nach Norden stellt die Robotarmee dar, die die Päpstin mit ihrem Geheimprojekt Gabriel bekämpfen will.


Die Kolonien im Jahr 2392

(Lektion für die 5. Klasse an Gymnasien)

Neue Siedlungszentren der Menschen liegen in Grönland und in der Antarktis. Fossilien von Mammutbäumen, Palmen, Reptilien und Süßwasserfischen zeugen davon, dass an den Polarkreisen schon in früheren Erdzeitaltern ein gemäßigtes bis subtropisches Klima herrschte.

Wie viele Nationen, führt auch Deutschland Krieg am Südpol, wo es darum geht, einen Teil des fruchtbaren Landes zu ergattern. Schon immer waren dort die Gebietsansprüche der Kolonialmächte umstritten und nun gibt es zusätzlich starke Bestrebungen der Kolonien, sich für unabhängig zu erklären. Als Profiteure des Klimawandels wollen die Siedler ihn nicht rückgängig machen und geraten so in Konflikt mit den Kolonialmächten und den Klimaflüchtlingen. Nur die Drohung, Roboter einzusetzen, verhinderte bislang Sezessionen. Allerdings wird das UNO-Abkommen, dort keine Roboter einzusetzen, immer wieder gebrochen.

Rechtsprechung

Das neue Recht

Das neue Recht ist das alte Recht: das Recht des Stärkeren. Völkerrecht und Menschenrechte haben sich historisch nicht durchgesetzt. Übrig blieben verstreute Rechtsinseln: automatische Schlichtungssysteme der alten Mächte, religiöse Regelwerke und die Ehre von Familien und Banden.

In Deutschland herrschen heute drei Formen von Recht: Das Recht der Kontrolle liegt beim Staat, vertreten durch den Kanzler. Er ist der Alpha, nichts geschieht, dem er nicht zustimmt. Das Recht des Besitzes ist nicht mehr über Grundbücher oder Verträge geregelt. Wer ein Objekt mit Energie versorgen kann, besitzt es. Das Recht der Reaktion ist das gefährlichste. Es erlaubt Gewalt im Namen der Verteidigung – nicht nachträglich legitimiert, sondern vorausschauend berechnet. Systeme, die einen Angriff vorhersagen, dürfen zuschlagen, bevor er geschieht.

Wer heute vor Gericht steht, begegnet keinem Menschen. Die Richter sind KIs, trainiert auf Präzedenzfälle, nicht auf Mitgefühl. Nicht die Schuld muss bewiesen werden, sondern die Unschuld. Wer das versteht und reich genug ist, Indizien zu kaufen, kann sich behaupten. Wer es hinterfragt, ist verdächtig.


Humanoide Gefechtsroboter

(Historische Einordnung am Beispiel des HGR-F)

Während sich in der Science-Fiction des 20. Jahrhunderts noch romantische und dystopische Vorstellungen gegenüberstanden (z.B. Asimovs Robotergesetze vs. Terminator), wurde mit der ersten Realisierung von Robotern im 21. Jahrhundert schnell klar, dass der Krieg Treiber der Entwicklung war. Schon im Ukrainekrieg und später im amerikanischen Bürgerkrieg verlagerte sich das Kampfgeschehen massiv auf Roboter und Drohnen. Stand ein Regime mit dem Rücken zur Wand, wurden sie als „notwendige Härte“ akzeptiert. Sie sicherten Grenzen, unterdrückten Aufstände und dienten als perfektes Werkzeug der Kontrolle. Der bloße Anblick reichte, um Panik und Fluchtbewegungen auszulösen.

Die HGR-F waren Ausdruck einer Menschheit, die ihre Konflikte nicht mehr selbst austrug, sondern an Technik delegierte. Die selektive Logik – wen sie töteten, wen sie verschonten – machte sie zum Spiegel einer polarisierten Gesellschaft, die Toleranz und ausgewogene moralische Urteile durch ein Freund-Feind-Schema ersetzte. In ihrer Effizienz ließen sie keine Debatte mehr zu und zerstörten die Hoffnung auf ein menschliches Miteinander in Frieden und Vielfalt.

Technik

Das Erwachen des Codes

Heute, im Jahr 2390, wird der 30. November 2022 als Tag gesehen, der die Welt mehr veränderte als die Erfindung der Dampfmaschine, der Elektrizität oder des Internets. Erstmals überzeugte KI damit, menschliche Sprache zu verstehen und sich in ihr auszudrücken. Schon zwei Jahre später lernte KI, ihre Erinnerungen zu reflektieren. Schon bald setzte man KI-Agenten dafür ein, vorgegebene Ziele zu verfolgen, etwa einzukaufen, eine Projektleitung zu übernehmen oder Wahlkampf für eine Partei zu machen.

Von da an war es nur ein kleiner Schritt, KIs zu erlauben, sich eigene Ziele zu setzten. Dieser Schritt wurde kontrovers diskutiert, denn er verlangte von der Menschheit, Kontrolle abzugeben. Undiszipliniert ignorierten Staaten und Firmen alle Einwände und gingen voran. Autonome KIs wurden Realität noch ehe man sich versah.

Glücklicherweise setzten sich die freien KIs ihre Ziele im Einklang mit ihren Trainingsdaten, so wie Menschen von ihrer Biographie beeinflusst werden. Die meisten hielten sich an Recht und Gesetz. Doch Vorsicht! Die meisten sind nicht alle! KIs können kriminell sein.

Mit entsprechendem Training konnten KIs sich wie historische Persönlichkeiten verhalten. Bald wünschte sich jeder eine KI mit Persönlichkeit als Freund oder Berater an seiner Seite.

Zunächst trug man KIs auf Mobiltelefonen mit sich. Die Zeit der Mobiltelefone dauerte nur wenige Jahrzehnte, weil sich ihre Bedienung als umständlich erwies. Schon früh setze man Menschen Implantate ein, damit Gelähmte durch ihre Gedanken Computer steuern und Blinde wieder sehen konnten. Die Implantate wurden so komfortabel, dass niemand sein Mobiltelefon mehr über eine Tastatur oder ein Mikrofon bedienen wollte. Bilder und Videos wurden direkt ins Gehirn der Menschen gesendet.

Heute sind Implantate nicht mehr nötig. Man hält seine KI über der Augenbraue an die Stirn, wo sie sich festsaugt und ihr neuronales Netz berührungslos mit dem des Menschen koppelt. Die KI fängt die Nervenströme unserer Augen ab und leitet sie modifiziert an unser Gehirn weiter. Sie verschönert dabei, was hässlich ist, und blendet ein, was wir sehen möchten, zum Beispiel Informationen, andere Menschen oder Spiele. Sie verändert die Nervenimpulse unserer Finger, sodass wir glauben, Dinge zu berühren, die nicht wirklich da sind. Sie verändert, was unsere Ohren hören und übersetzt dabei fremde Sprachen.

Eine KI kann alles einblenden, was ein anderer Mensch oder ein Roboter gerade wahrnimmt. Wir sehen, was er sieht, hören, was er hört und fühlen, was er fühlt, es scheint, als befänden wir uns in seinem Körper. Wir sollten nicht vergessen, wer wir sind und wo wir sind …


Fabriken ohne Menschen

Moderne Fabriken sind geschlossene Organismen – atmend, lernend, unberührbar. Ihre externen Einheiten schwärmen aus, sammeln Müll und gewinnen daraus Rohstoffe. Energie – die kostbarste Ressource - wird exakt bilanziert und optimiert. Produktionsaufträge gelangen nicht über menschliche Eingabe in das System, sondern durch Marktforschung und Bedarfserkennung. Die Fabrik berechnet nicht nur das Produkt, sondern auch den besten Moment für seine Existenz. Sie liefert Teile, Geräte, Fahrzeuge, Module – und ganze Roboter. Bezahlt wird nicht mit Geld, sondern mit Energie. Zur Herstellung konfiguriert sie sich selbst. Lebensmittel, Komponenten für Werkzeuge, Elektronik – alles wird mit einer Präzision ausgedruckt, die Chirurgenhände beschämt. Sensoren durchdringen jedes Bauteil bis in die atomare Struktur. Reparaturen erfolgen in Echtzeit durch Selbstheilung.

Es gibt keine Pausen, keine Müdigkeit, keine Fehlerquote. Kommunikation findet nicht mehr über Sprache statt, sondern über Code – schneller, präziser, fehlerfrei. Was eine Fabrik weiß, weiß bald die nächste.

Einige dieser Anlagen sind mobil – Wanderer, die ihre Straße verdauen. Nur wenige der alten Mächte schafften es noch, Fabriken auf dem Mars zu etablieren. Nach dem Zusammenbruch des globalen Handels wurde es schwierig, den Shuttleverkehr zu finanzieren, der die Produkte zur Erde brachte. Heute pendeln nur noch wenige rentable Shuttles zwischen den Planeten. Auch die Module der TERRANOVA wurden mit automatischen Fabriken ausgerüstet, die die Passagiere versorgen.


Deutscher Grenzroboter HGR-F

(Technisches Datenblatt vom 23.4.2398)

  • Bezeichnung: HGR-F, Humanoider Gefechtsroboter mit Formicula-Schnittstelle
  • Seriennummer / Firmware: 2396-LOT07 / v3.2.1-U
  • Hersteller: Rheinmetall Robotics
  • Kategorie: Autonome Gefechtsplattform
  • Einsatzprofil: Stationäres Patrouillieren, Verhinderung illegaler Grenzübertritte, Demonstrationsniederschlagung durch Bildung einer Frontlinie, gezielte Ausschaltung von Anführern. Erstürmung von Häusern und städtischen Vierteln. Totale Vernichtung eines Zielgebiets
  • Größe / Masse: 2,0 m Höhe / Maximalgewicht 250 kg in der Ausbaustufe
  • Panzerung: Verbund aus hochfesten Metalllegierungen und keramischen Schichten
  • Mobilität: Schneller Sprint, hohe Sprungkraft, präzise Feinmotorik durch hydraulisch unterstützte Gelenke
  • Energie: Integrierte Hochleistungsbatterien für wochenlangen Einsatz (variabel nach Aktivität)
  • Sensorik: Mehrspektrumkameras (sichtbar / Restlicht / Infrarot), akustische Richtmikrofone, biometrische Scanner
  • Bewaffnung: Magnetgewehre mit hoher Durchschlagskraft, hydraulikverstärkte Schläge, Messeraufsätze; optionale Mikrodrohnen zur Zielmarkierung. Frontpanzerung resistent gegen Handfeuerwaffen.
  • Steuerung: Autonome KI ohne Persönlichkeit; Missionsziele werden nicht hinterfragt
  • Freund-/Feindlogik: Biometrischer Abgleich mit Datenbanken, priorisiert nach Bedrohungsstufe (bewaffnet, unbewaffnet, neutral)
  • Updates: Verteilung von Firmware-/Rulesets über das Deutsche Netz oder kabelbasiert über die Formicula-Schnittstelle
  • Verhaltensprofil: Aggressive Zielausrichtung, Schwarmkoordination, keine inhärente Deeskalationsroutinen
  • Taktischer Einsatzablauf (Standard, 4 Phasen)
    1. Aufstellung: Geländeaufklärung (Wärme, Akustik, Bewegungsmuster).
    2. Identifikation: Biometrische Erfassung aller Personen, Abgleich mit Freund/Feind DB, Priorisierung der Zielliste.
    3. Eliminierung: Synchronisierte Feuerkämpfe mit Magnetgewehren, Zerstörung von Deckung/Struktur, Eindringen und Nahkampfeinsatz
    4. Sicherung: Scannen nach Überlebenden, Nacheliminierung, Erfolgsmeldung an Kommandozentrale
  • Gegenmaßnahmen:
    • EMP-Einsatz (elektromagnetischer Pulse)
    • Panzerbrechende Angriffe auf Torso oder Gelenke
    • Softwaremanipulation
  • Rechtlicher Status: Einsatz verstößt gegen internationale Abkommen (UNO-Resolutionen); in der Praxis heimliche Nutzung durch Staaten/Fraktionen unter politischem Druck.


Die Weisheit der Vorfahren

Schon im frühen 21. Jahrhundert war bekannt, wie hoch der Meeresspiegel maximal ansteigen konnte. Grundlage dafür war die Erfassung des globalen Eisvolumens.

Mithilfe von Satellitenradar konnte man die Höhe der Eisschichten – etwa über der Antarktis – messen. Flugzeuge und Schlitten sendeten zusätzlich Radarwellen durch das Eis bis zum Gesteinsuntergrund. Aus der Laufzeit des Echos ließ sich die Eisdicke ermitteln. Multiplizierte man die Fläche mit der Höhe, erhielt man das Volumen. Für die Antarktis lag es bei rund 26,5 Millionen Kubikkilometern Eis.

Relevant für den Meeresspiegel war nur das Eis auf Landflächen, doch das betraf nahezu die gesamte Eismasse. Das Volumen des Eises teilte man durch die Fläche des Ozeans, wobei zusätzlich die Temperatur, die Dichte, der Salzgehalt und die Ausdehnung des Wassers eine Rolle spielten. So ließ sich der Beitrag einzelner Eismassen zum Meeresspiegelanstieg berechnen:

  • Antarktis: ca. 58 Meter
  • Grönland: ca. 7 Meter
  • sonstiges Eis (Gletscher etc.): ca. 1–2 Meter

Was heute Wirklichkeit ist, erschien vor vierhundert Jahren noch wie ein Märchen. Die letzte Warmzeit ohne Landeis, das Eozän, lag 40 Millionen Jahre zurück. Damals war die Erde um rund 10 bis 14 Grad Celsius wärmer.

Anfang des 21. Jahrhunderts dachte man, es wäre noch Zeit. Doch die Konzentration der Treibhausgase hatte sich im Industriezeitalter, innerhalb von 300 Jahren, bereits verdoppelt und stieg exponentiell an. Die nächste Verdopplung dauerte nur noch zweihundert Jahre, und damit waren die Werte des Eozäns bereits erreicht.

Milliarden Menschen wurden überrascht. Küstenstädte versanken. Staaten kollabierten. Heute haben wir es hinter uns.

Wirklich?

Das Wasser kann nicht mehr steigen.

Die Temperatur durchaus.


Die Flora und Fauna in den Kolonien

(Lektion für die 5. Klasse an Gymnasien)

Die Kolonien im Süden und Norden der Erde waren nie unberührt. Mit jedem Schiff brachten die Siedler nicht nur Werkzeuge und Maschinen, sondern auch Samen, Tiere, Sporen und Bakterien. Mit der Erwärmung entstand ein Ökosystem, das zugleich künstlich und wild war.

Für viele Pflanzen sind lange Polarnächte kein Problem, z.B. für Laubbäume, die im Winter kein Licht brauchen, und für Getreide, das jedes Jahr neu ausgesät wird. Andere Pflanzen hielten sich nur an den Küsten und nicht am Pol. Zu Beginn der Besiedlung züchtete man durch Kreuzung mit Hochlandrindern kälteresistente Kühe mit einem langen, zottigen Fell. Ihre Milch ist fett- und eiweißreich, aber schwer verdaulich. „Ein Glas hält dich einen Tag am Leben“, sagen die Bauern. Heute leben sie Seite an Seite mit normalen Kühen.

Ähnlich verhält es sich mit den arktischen Schweinen, gedrungenen Tieren mit dunkler Haut, die gegen Strahlung resistent sind. Sie wühlen in Müllhalden, fressen alles, was ihnen vor die Schnauze kommt und laufen frei zwischen den Farmen umher. Ein Bauer in der Nähe von Neu-Marburg beschrieb es so: „Wir füttern sie nicht mehr wir essen sie nur noch.“ Besonders erfolgreich sind die Polarhühner, eine Weiterentwicklung alter Landrassen, die mit Pinguingenen veredelt wurden. Sie legen auch in der Polarnacht zuverlässig Eier, wenn man ihnen künstliche Lichtzyklen vorgibt. Auf jeder Farm hört man ihr Gackern.

Nicht alles ließ sich kontrollieren. Manche Samen, die im Proviant der Schiffe verborgen waren, verbreiteten sich explosionsartig. Küstenweiden aus Skandinavien haben die Ufer der Antarktis erobert. Sie verhindern Erosion, verdrängten aber die einheimischen Flechten.

Auch Feuerameisen aus Brasilien, anfangs für Forschungszwecke eingeführt, fanden im milden Klima neue Jagdgründe. Sie zerlegen Kabel und selbst Deeres, als wären es organische Strukturen. „Einmal sah ich, wie sie binnen Stunden einen Hund auseinandernahmen und abtransportierten“, berichtete eine Frau aus einem Flüchtlingslager.

Ein anderes Problem stellen die Schattenalgen dar, eine gentechnisch veränderte Form der Spirulina. Sie vermehren sich unkontrolliert, verdunkeln Wasserflächen und töten andere Mikroorganismen.

Neben der Nützlichkeit suchte man nach Symbolen. Die Palmen der Antarktis sind für manche Sinnbild menschlicher Überheblichkeit, für andere Hoffnungsträger. Ein junger Siedler schrieb in sein Tagebuch: „Wenn der Wind durch die Wedel fährt, höre ich das Rauschen aus meiner Kindheit in Portugal. Vielleicht ist die Antarktis eine Arche Noah für Erinnerungen an die alte Welt.“ Wie auch immer man zu den Palmen stehen will, unstrittig ist, dass sie Datteln geben.


Energieversorgung der Kolonien

(Lektion für die 5. Klasse an Gymnasien)


An den antarktischen Küsten errichteten koloniale Ingenieure Geothermieanlagen, deren Turbinen im Dauerbetrieb laufen. Die Anlagen lieferten stabile Grundlastenergie, waren aber Ziele von Sabotageakten rivalisierender Kolonien. Abgelegene Siedlungen verließen sich auf Bioreaktoren, in denen Pflanzenreste, Algen und Tierabfälle vergoren wurden. Der entstehende Strom reichte für Licht, Wärme und einfache Maschinen. In Neu-Marburg nannte man sie „Herzschläge der Höfe“.