Erde 16
Erde 16
von Elisabeth Hayek
1.3.30003
Seit drei Jahren ist die Erde schon nicht mehr bewohnbar und ich lebe auf dem Raumschiff Terranova. In diesen drei Jahren haben wir 15 Planeten besucht, bei denen wir erst dachten, sie sind bewohnbar, aber dann festgestellt haben, dass wir doch nicht dort leben können. Erde 2 und Erde 8 wurden schon von einer anderen Spezies bewohnt, die uns umbringen wollten. Auf Erde 9 und Erde 5 gibt es kein Wasser und auf Erde 13 haben wir die die Hälfte unserer Truppe verloren (inklusive meiner Eltern) von denen die Todesursache nicht bekannt ist. Die anderen Erden waren genauso ungeeignet. Langsam habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass wir überhaupt ein Zuhause finden. Würde ich das Raumschiff steuern würde ich es ins nächste schwarze Loch steuern. Dann wäre es zumindest schnell vorbei. Ich fühle mich beschissen! Es beruhigt mich immer aus dem Fenster zu schauen. Vielleicht sollte ich jetzt auch aus dem Fenster schauen, auch wenn man immer nur dasselbe sieht. Die bekackte Farbe schwarz. Ich mache es trotzdem, denn ich habe ja nichts Besseres zu tun. Da draußen ist nichts Interessantes oder doch? War da nicht ein Leuchten? Jetzt sehe ich es ganz genau. Das Licht hat die Form eines Wales. Er ist riesig und wunderschön, doch er sieht traurig aus. In seinen Augen liegt eine Träne. Wahrscheinlich fühlt er sich einsam. Irgendwie spüre ich seinen Schmerz. Ich fühle mit ihm. Als würde er mir seine ganze Vergangenheit offenbaren. Nun weiß ich alles über ihn. Das seine Mutter bei seiner Geburt starb und … plötzlich reißt er sein Maul auf. Er wird uns verschlucken! „Alarm, Alarm ein Wal will uns fressen!“, schreie ich den anderen zu, aber sie glauben mir nicht. Sehen sie etwa nichts? Sein Maul kommt immer näher. Nun sind wir darin. Er schließt seinen Mund und vor uns liegen unendlich viele Planeten und Sterne, die wir davor noch nicht gesehen hatten. Da höre ich eine Durchsage, die sagt: „Wir sind in einem parallelen Universum gelandet. Bitte bewahren sie Ruhe, es ist alles gut.“ Doch die Stimme hört sich sehr beruhigend an. Jetzt fliegen wir näher an die Planeten heran, schicken Drohnen los, um Aufnahmen von den Planeten zu machen und bekommen positive Ergebnisse. Wir fanden einen passenden Planeten. Erde 16. Aber ich glaube nicht, dass wir dort für immer leben werden. Wahrscheinlich ist dieser Planet genauso ungeeignet wie alle anderen Erden zuvor. Doch gerade steige ich aus dem Raumschiff auf Erde 16 aus und merke, dass ich mich soeben gewaltig getäuscht habe. Diese Welt hat viele Flüsse, Bäche, Seen und andere Gewässer. Außerdem gibt es viele Pflanzen, die unbekannte Früchte tragen. Ich probiere mal ein paar. Mmmhh, sie schmecken wirklich köstlich. Die einzigen auf dieser Welt sind wir anscheinend auch und es fühlt sich heimelig und vertraut an. Doch desto länger ich auf diesem Planeten bleibe, desto mehr verändert sich mein Körper. Meine Haut beginnt zu leuchten und wird immer greller und meine Beine werden zu einem Schwanz eines Wales. Nun fange ich an zu schweben. Viele Menschen schreien angsterfüllt, doch ich nehme keine Notiz von ihnen. Es geht immer höher hinaus. Die anderen Personen werden immer kleiner und kleiner. Eigentlich sollte ich Angst bekommen, aber ich verstehe. Der Preis für Erde 16 bin ich. Doch ich bin nicht traurig darüber, denn ich hatte noch nie einen Freund und ich weiß ich, dass ich und der Wal gute Freunde werden. Mit diesem Gefühl fliege ich nun aus dem Maul meines zukünftigen Freundes heraus und sehe wieder die ganzen Gedanken des Wales. Nach dem Tod seiner Mutter verließ sein Vater ihn, weil er seinem Sohn die Schuld an ihrem Tod gab. So streifte er einsam durch die Weiten des Universums und wünschte sich einen Freund. Dann fand er mich, auch eine Außenseiterin. Jetzt haben wir beide, was wir uns gewünscht hatten, und die Menschen haben eine schöne und sichere Heimat im Wal aus Licht.